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Ernährung

Eiweiß ab 40: Wie viel Protein wir wirklich brauchen

Sabine Vogt
Sabine Vogt17. Juli 2026 · 9 Min. Lesezeit
Eiweiß ab 40: Wie viel Protein wir wirklich brauchen

Ab der Lebensmitte verändert sich, wie unser Körper mit Eiweiß umgeht. Warum Protein dann wichtiger wird, wie viel im Alltag wirklich sinnvoll ist – und wie du deinen Bedarf ganz ohne Shakes deckst.

Kaum ein Nährstoff wird so heiß diskutiert wie Eiweiß. Fitness-Shakes versprechen Wunder, Proteinriegel füllen ganze Supermarktregale – und gleichzeitig heißt es, wir würden ohnehin viel zu viel davon essen. Was stimmt denn nun? Für Menschen jenseits der 40 lohnt sich der genaue Blick, denn hier verschiebt sich tatsächlich etwas Grundlegendes.

Mit den Jahren verlieren wir langsam Muskelmasse. Fachleute sprechen von Sarkopenie. Dieser Prozess beginnt schleichend ab etwa dem 40. Lebensjahr und beschleunigt sich mit jedem Jahrzehnt. Wer nichts dagegen tut, verliert bis ins hohe Alter einen beträchtlichen Teil seiner Muskulatur – oft, ohne es bewusst zu merken.

Muskeln sind aber weit mehr als Kraft für den Sport. Sie stabilisieren Gelenke und Wirbelsäule, sind der größte Zuckerspeicher des Körpers und schützen im Alter vor Stürzen und deren Folgen. Eiweiß ist der Baustoff, aus dem sie bestehen – und genau deshalb rückt es ab der Lebensmitte ins Zentrum.

Warum der Bedarf mit den Jahren steigt

Der Körper älterer Menschen reagiert weniger empfindlich auf Eiweiß – Forschende nennen das anabole Resistenz. Vereinfacht gesagt: Es braucht etwas mehr Protein, um denselben Muskelreiz auszulösen wie mit 25. Dieselbe Portion Quark baut mit 55 also weniger Muskelsubstanz auf als mit 25. Deshalb empfehlen viele Ernährungsfachgesellschaften Älteren mehr als die oft zitierten 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

In der Praxis werden für gesunde Ältere häufig etwa 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm und Tag genannt. Für eine Person mit 70 Kilogramm sind das rund 70 bis 85 Gramm Eiweiß täglich – machbar, aber nur mit etwas Aufmerksamkeit. Wer krank ist oder sich von einer Operation erholt, hat mitunter noch einen höheren Bedarf; das gehört in ärztliche oder ernährungstherapeutische Hände.

Dieselbe Portion Quark baut mit 55 weniger Muskel auf als mit 25 – deshalb darf ab 40 ruhig etwas mehr Eiweiß auf den Teller.

Wie viel ist genug – und wann?

Entscheidend ist nicht nur die Menge, sondern die Verteilung über den Tag. Der Körper kann pro Mahlzeit nur eine begrenzte Menge Eiweiß für den Muskelaufbau nutzen. Statt die Hauptportion abends auf einen Schlag zu essen, ist es klüger, über den Tag verteilt jeweils rund 20 bis 30 Gramm aufzunehmen.

Ein einfaches Beispiel für einen Alltagstag: ein Frühstück mit Skyr, Beeren und Nüssen; mittags eine Linsensuppe oder ein Stück Fisch mit Gemüse; abends Tofu, Ei oder etwas Geflügel. Schon ist der Tagesbedarf gedeckt, ohne dass du auch nur an einen Shaker denken musst.

  • Skyr, Quark, Joghurt – schnell, günstig, alltagstauglich
  • Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen, Bohnen
  • Eier – vielseitig, sättigend und preiswert
  • Fisch, besonders fetter Seefisch wie Lachs oder Makrele
  • Tofu, Tempeh und Edamame als pflanzliche Basis
  • Nüsse, Kerne und Haferflocken als unkomplizierte Ergänzung

Auf einen Blick

  • Ab 40 steigt der Proteinbedarf leicht – Muskeln erhalten heißt vital bleiben.
  • Rund 1,0–1,2 g pro kg Körpergewicht sind für gesunde Ältere ein guter Richtwert.
  • Über den Tag verteilen: 20–30 g pro Mahlzeit statt alles auf einmal.
  • Kombiniere Eiweiß mit etwas Krafttraining – das verstärkt den Effekt deutlich.
  • Vollwertige Lebensmittel schlagen Pulver und Riegel fast immer.

Tierisch oder pflanzlich – was ist besser?

Tierisches Eiweiß aus Milchprodukten, Eiern, Fisch und Fleisch liefert alle wichtigen Aminosäuren in einem für den Menschen günstigen Verhältnis. Pflanzliches Eiweiß ist oft etwas „unvollständiger”, punktet dafür mit Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen und einer besseren Klimabilanz.

In der Praxis muss man sich gar nicht entscheiden. Wer bunt kombiniert – etwa Linsen mit Vollkornbrot oder Bohnen mit Reis –, gleicht die Schwächen einzelner Quellen automatisch aus. Eine überwiegend pflanzliche Ernährung mit etwas Milchprodukten oder Fisch deckt den Bedarf für die allermeisten Menschen problemlos.

Die häufigsten Denkfehler

Rund um Eiweiß halten sich ein paar hartnäckige Missverständnisse, die entweder verunsichern oder zu unnötigen Ausgaben führen.

  • „Viel hilft viel.” Sehr hohe Mengen bringen gesunden Menschen keinen Zusatznutzen – der Körper nutzt nur, was er braucht.
  • „Ohne Pulver geht es nicht.” Proteinpulver ist praktisch, aber selten nötig. Es ersetzt kein vollwertiges Essen.
  • „Eiweiß ist nur für Sportler.” Gerade wer sich wenig bewegt, verliert Muskeln schneller und profitiert besonders.

Worauf du achten solltest

Mehr ist nicht automatisch besser. Sehr hohe Eiweißmengen bringen gesunden Menschen keinen Zusatznutzen und können bei bestehenden Nierenerkrankungen sogar problematisch sein. Wer unsicher ist, Vorerkrankungen hat oder Medikamente nimmt, bespricht die passende Menge am besten ärztlich.

Und der wichtigste Punkt zum Schluss: Am meisten holst du aus deinem Eiweiß heraus, wenn du es mit Bewegung koppelst. Schon zweimal pro Woche moderates Krafttraining sorgt dafür, dass das Protein tatsächlich in den Muskel wandert – und nicht ungenutzt bleibt. Ernährung und Bewegung sind bei diesem Thema ein Team.

Häufige Fragen

Brauche ich als Frau in den Wechseljahren mehr Eiweiß?

Der Grundbedarf ändert sich nicht dramatisch, aber der Muskelschutz wird wichtiger, weil der sinkende Östrogenspiegel den Muskelabbau begünstigt. Etwas mehr Eiweiß plus Krafttraining ist in dieser Phase besonders sinnvoll.

Ist zu viel Eiweiß schädlich für die Nieren?

Bei gesunden Nieren gilt eine moderat erhöhte Zufuhr als unbedenklich. Wer allerdings eine Nierenerkrankung hat, sollte die Menge unbedingt ärztlich abstimmen.

Reicht eine vegetarische oder vegane Ernährung aus?

Ja. Mit einer klugen Kombination aus Hülsenfrüchten, Getreide, Nüssen, Soja und – bei Vegetariern – Milchprodukten und Eiern lässt sich der Bedarf gut decken.

Sabine Vogt
Sabine Vogt
Wissenschaftsjournalistin · Schwerpunkt Frauengesundheit & Wechseljahre
Zur Einordnung: Die genannten Richtwerte orientieren sich an Empfehlungen von Ernährungsfachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und internationalen Fachgremien zur Ernährung im Alter. Individuelle Bedürfnisse können abweichen – im Zweifel ärztlich oder ernährungstherapeutisch abklären.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder vor größeren Veränderungen von Ernährung und Bewegung sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.
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